Für aktive Waldbewirtschaftung
VR-Waldpreis im Landkreis Ostallgäu und der kreisfreien Stadt Kaufbeuren vergeben

Nominierte und Preisträgerinnen des Waldpreises 2022 mit Landrätin.Zoombild vorhanden

© Carmen Janzen

Aktive Waldbesitzerinnen erfolgreich beim Waldumbau

Der VR-Waldpreis 2022 wurde am 12. Mai 2022 in festlicher Umgebung im Panoramasaal des Festspielhauses in Füssen übergeben. Nicola Camacho und Perpetua Zwick teilen sich den 1. Rang, Christa Rodenkirchen wurde für ihr Lebenswerk erstmalig mit dem VR-Ehrenpreis geehrt. Die Laudatio hielt vor zahlreichen Gästen die Schirmherrin Frau Landrätin Maria-Rita Zinnecker. Die Auszeichnungen sind mit jeweils 1000 € und einer schweren Holztafel dotiert. Zur Festrede ist Luzia Gruber aus Kelheim angereist und hat die vielen anwesenden Waldbesitzerinnen überzeugt und motiviert.
Träger des VR-Waldpreises ist das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, Kaufbeuren, die Forstbetriebsgemeinschaften Füssen, Halblech, Kaufbeuren und Marktoberdorf sowie die VR Bank Augsburg – Ostallgäu.

Waldarbeit fest in Frauenhand
Eine aktive Waldbewirtschaftung ist die Grundlage, dass der Wald seine vielfältigen Funktionen zur Daseinsvorsorge erfüllen kann. Daher ist jeder aktive Waldbesitzer wichtig. Wald ist aber längst keine reine Männersache mehr, Frauen interessieren und engagieren sich zunehmend. Immer häufiger besitzen Frauen Wald und fragen sich, wie sie mit Ihrem Wald umgehen. Dabei zeigen sie eine deutlich andere Herangehensweise und Zielsetzung bei der Waldbewirtschaftung. Die Vergabe der VR-Waldpreise wird auch 2022 an allgegenwärtigen Begrifflichkeiten festgemacht: zukunftsorientierte und klimaangepasste Ausrichtung der Bewirtschaftung, aktive und nachhaltige Nutzung, heimische und standortgemäße Baumartenwahl, zeitgerechte und baumartenangepasste Waldpflege, schonende und systematische Walderschließung, langsame Waldnutzung mit kleinräumiger (einzelbaumweiser) Hiebsführung, möglichst unter Ausnutzung der Naturverjüngung bei angepassten Wildständen, Engagement in waldnahen Verbänden oder Vereinen, idealerweise Kaskadennutzung von Holz im persönlichen Umfeld.
1. Preisträgerin VR Waldpreis 2022: Nicola CamachoZoombild vorhanden

© Carmen Janzen

Preisträgerin VR Waldpreis 2022: Nicola Camacho
Der VR Waldpreis 2022 wird von der Jury ausdrücklich an zwei Waldbesitzerinnen geteilt vergeben! Beide Leistungen sind gleichermaßen preiswürdig und gleichermaßen hervorragend. Die Jury lobt in ihrem u.a. diese Erfolge:
Frau Camacho ist tief mit ihrem Wald verwurzelt und bewirtschaftet ihn mit Begeisterung und Herzblut. Sie eignet sich Fachwissen an, besucht Kurse und die Walbauernschule, lässt sich von Förstern beraten. Daraus schöpft sie Enthusiasmus und wagt sich an viele Baumarten. Ökologie und Nachhaltigkeit sind genau ihr Thema. Sie experimentiert und leistet Pionierarbeit mit Pilzimpfungen an Waldbäumen. Besonders hohe Bedeutung misst sie der Schonung des Waldbodens und dem Walnaturschutz bei. Sie lernt mit Rückschlägen umzugehen, lässt sich davon nicht entmutigen. Sie macht weiter, wo andere schon aufgegeben haben. Sie sagt: „Das ist kein Garten, sondern Wald. Mein Wald !“
Preisträgerin VR Waldpreis 2022: Perpetua ZwickZoombild vorhanden

© Carmen Janzen

Preisträgerin VR Waldpreis 2022: Perpetua Zwick
Frau Zwick ist nahezu täglich in ihrem Wald. Dort gestaltet sie ein kleines Paradies aus Moos, Kräutern, Sträuchern und vielen Baumarten. Ihr Wald gibt der urigen Moorlandschaft ein eigenes Gesicht. Am liebsten pflanzt sie Bäume und nach und nach wird au dem Fichtenwald ein Mischwald, angrenzende Wiesen werden standortgerecht aufgeforstet. Dank ihrer permanenten Arbeit gelingt ihr auch unter schwierigen Bedingungen ein strukturierter Waldumbau. Verjüngung, Pflege, Feinerschließung, Artenreichtum und ökologische Vielfalt sind beeindruckend. Es ist ihr eine Herzensangelegenheit ihr Wissen über traditionelle Arbeitstechniken an die Familie und alle Interessierten weiterzugeben, besonders beliebt sind die selbst hergestellten Kräutermischungen, Säfte, Marmeladen und Rezepte aus ihrem Wald.
Preisträgerin VR Waldpreis 2022: Christa RodenkirchenZoombild vorhanden

© Carmen Janzen

Der VR Waldpreis 2022 vergibt erstmalig einen Ehrenpreis für das Lebenswerk.
Damit würdigt die Jury gleichermaßen die hervorragenden Leistungen zum Waldumbau wie das langjährige verbandspolitische und forstpolitische Engagement für den Wald. Frau Rodenkirchen bewirtschaftet seit 40 Jahren das Gut Kinsegg, das sind Gebäude, Weiher, Wiesen und rund 35 ha Wald.
Wie selbstverständlich ist da eine Teilnahme am Motorsägenkurs und der zielgerichtete Waldumbau ihrer Wälder. Das wache Interesse an Wald und Natur, gepaart mit Durchsetzungsvermögen und Durchhaltekraft führen zum preiswürdigen Erfolg. Frühzeitig und weitsichtig erkennt sie die Bedeutung der Forst- und Verbandspolitik, erwirbt den Jagdschein, ist Gründungsmitglied im Walderlebniszentrum und wird als erste Frau in Bayern Vorsitzende der Forstbetriebsgemeinschaft Füssen.
Die waldpädagogische Arbeit und die Gründung des „Waldortes Natur“ sind ihr ständiger Begleiter, das Engagement für waldbesitzende Frauen ihr jüngeres Projekt. Ihr umfangreiches Wissen gibt sie in verständlicher Form so an viele interessierte Waldbesucher und Besucherinnen weiter.
Niemand hat diesen Preis für aktive Waldbesitzerinnen im Ostallgäu mehr verdient als Frau Christa Rodenkirchen.
Die Entscheidung ist gefallen
Die Jury hat alle nominierten Waldbesitzerinnen besucht und kritisch hinterfragt, wie die Waldbesitzerinnen im Rahmen ihrer Möglichkeiten planen, agieren und handeln mit dem Ziel, der Zukunft bessere ökologische, vielfältige und stabilere Wälder zu übergeben.
Jury: Von links oben im Uhrzeigersinn: Paula Wölfle (BJV), Gabriele Schmölz (FBG), Cornelia Hutler (VR-Bank), Karina Fischer (BBV), Janina Schaper (UNB), Annerose Schneider (AELF)