Pilotprojekt in Kaufbeuren
Landwirtschaftsschule - neue Wege in der Fortbildung

Das Staatsministerium startete im Herbst 2020 ein Pilotprojekt, in dem die Inhalte der Landwirtschaftsschule (LWS) sowie die Weiterbildungsmöglichkeiten zum Meister bzw. zum Agrarbetriebswirt an den Höheren Landbauschulen (HLS) intensiv aufeinander abgestimmt und miteinander verknüpft werden. Eine Pilotschule ist die Landwirtschaftsschule Kaufbeuren.

In Kaufbeuren ist vorgesehen, die Landwirtschaftsschule in einem Block von zehn Monaten, statt wie bisher in zweimal fünf Monaten über zwei Winterhalbjahre hinweg zu absolvieren. Mit dem Konzept wird die Gesamtausbildungsdauer im Vergleich zum jetzigen System um ein Jahr verkürzt. Ziel ist es, den Unterrichtsstoff zu entzerren und mehr Möglichkeiten zur praktischen Anwendung des Erlernten zu schaffen. Persönlichkeitsbildung, Kommunikationstraining, Projekt- und Seminarunterricht spielen eine wichtige Rolle.

Der nächste Durchgang startet am 13. September 2022. Anmeldungen für das Schuljahr 2022/2023 können nach wie vor erfolgen.

Voraussetzungen

Aufnahmevoraussetzungen sind

  • ein Berufsabschluss in einem anerkannten Ausbildungsberuf der Landwirtschaft sowie
  • zusätzlich ein Jahr einschlägige Berufspraxis.
Praxisjahr

Das sogenannte Praxisjahr ist dem Besuch der Landwirtschaftsschule vorgeschaltet und wird von den Lehrkräften der Landwirtschaftsschule betreut. Es dient dazu, Erfahrungen auf dem Betrieb zu sammeln und betriebseigene Daten und Unterlagen für den anstehenden Schulbesuch vorzubereiten. Dazu finden während des gesamten Jahres mehrere Veranstaltungen statt.

Ablauf und Abschluss

Die Ausbildung umfasst ein Schuljahr mit insgesamt 40 Unterrichtswochen in Vollzeitform. Zudem finden über das Schuljahr verteilt 15 Praxisschultage statt, in denen auch landwirtschaftliche Betriebe produktionstechnisch begleitet werden. Wer das Schuljahr besteht, darf die Berufsbezeichnung "Staatlich geprüfter Wirtschafter/Staatliche geprüfte Wirtschafterin für Landbau" führen.

Unterrichtsfächer
  • Landwirtschaftlicher Pflanzenbau
  • Landwirtschaftliche Tierhaltung
  • Betriebslehre
  • Unternehmensführung
  • Steuer- und Sozialrecht
  • Berufsausbildung und Mitarbeiterführung
  • Seminar zu sozialer und religiöser Bildung
  • Landmaschinenseminar
  • Tiergesundheit und Tierschutz
  • Naturschutz- und Landschaftspflege
  • Waldwirtschaft mit Seminar Waldbau
  • Rechtslehre
  • Marktlehre und Agrarpolitik
  • Rhetorik, Gesprächsführung und Präsentation
Meisterprüfung

Studierende der Landwirtschaftsschule, die vor Schulbeginn eine mindestens einjährige Berufspraxis abgeleistet haben, können zusammen mit der Abschlussprüfung der Landwirtschaftsschule Teile der Meisterprüfung ablegen. Die weiteren Teile der Meisterprüfung werden im Anschluss an die Landwirtschaftsschule abgelegt.

Anmeldung

Das Schuljahr startet jeweils im Wintersemester. Anmeldung für den Besuch der Landwirtschaftsschule ist in der Regel ein Jahr vor dem gewünschten Schulstart nötig.

Aufnahmeantrag Landwirtschaftsschule (PDF) - Staatsministerium Externer Link

Schulleben

Erster Vollzeit-Jahrgang der Landwirtschaftsschule schließt erfolgreich ab

Gruppenfoto
Auf einen Versuch ließen sich 12 Studierende der Landwirtschaftsschule Kaufbeuren ein. Der Schulversuch beinhaltete, die Schule in einem Block von zehn Monaten, statt wie bisher in zweimal fünf Monaten über zwei Winterhalbjahre zu absolvieren. Damit haben die Studierenden in zeitlich kompakter, passgenauer Form den Abschluss "Wirtschafter für Landbau" absolviert. Im August 2022 fand nun die feierliche Abschlussfeier statt.

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Äußerst erfolgreicher Abschluss 2022

16 Studierende an der Landwirtschaftsschule Kaufbeuren haben im März die Weiterbildung zum "Staatlich geprüften Wirtschafter für Landbau" abgeschlossen. Allen war es ein Anliegen, zusammen mit den Eltern und den Lehrkräften auf die Schulzeit zurückzublicken. Deshalb wurde mit Blick auf die Corona-Situation eine kleine, aber feine Abschlussfeier zeitlich ein wenig nach hinten verlegt. "Schließlich wollten wir sichtbar zu Ende bringen, was wir gemeinsam vor gut eineinhalb Jahren begonnen hatten", brachte es die ehemalige Semestersprecherin Johanna Neumayr aus Kaufbeuren auf den Punkt. Ihrer Meinung war es unter den Pandemiebedingungen im ersten Schulwinter nicht immer einfach sich zu motivieren, doch "haben wir viele schöne Stunden an der Schule erlebt."
Gute Gemeinschaft

Vorangegangen war ein Gottesdienst in der Pfarrkirche Ruderatshofen mit Diakon Albert Greiter. In seiner Ansprache nahm er Bezug auf die gute Gemeinschaft innerhalb des ehemaligen Semesters. Er betonte, dass man diese in der Schule und auch in vielen Vereinen erfahren könne, doch besondere Bedeutung käme sie in der Familie und in den landwirtschaftlichen Betrieben der Studierenden zu.

Fachliche und soziale Kompetenzen

In seiner Ansprache blickte Schulleiter Dr. Paul Dosch auf inhaltliche Herausforderungen der zurückliegenden Schulzeit zurück. Schwerpunktmäßig standen sicherlich produktionstechnisches und betriebswirtschaftliches Wissen um den eigenen Betrieb im Mittelpunkt. Ergänzend werden Schlüsselqualifikationen erworben, die einen Unternehmer auszeichnen. Dazu gehören Handlungs- und Entscheidungskompetenzen, aber auch immer mehr soziale Kompetenzen: Wie geht man miteinander um und aufeinander zu? Wie kann man Arbeit und Betrieb unter einen Hut bringen? Welchen Stellenwert hat dabei die Familie? Außerdem wird es immer wichtiger, seinen verantwortungsvollen Platz in der Gesellschaft zu erkennen und aktiv einzunehmen. Beispielhaft dafür war der Dialog mit Schülern des Jakob-Brucker-Gymnasiums in Kaufbeuren.

Überragendes Ergebnis

Jedenfalls gab es Anlass genug, stolz zu sein auf das in der Vergangenheit Geleistete. Alle 16 Absolventen haben mit teils sehr guten Leistungen abgeschlossen. Insgesamt betrug der Notendurchschnitt 2,13 – ein überragendes Ergebnis! Als Jahrgangsbeste schnitten ab Stefan Gregori aus Marktoberdorf, Simon Dengel aus Aitrang sowie Markus Lang aus Seeg. Alle drei erhielten ein Stipendium des Bayerischen Landwirtschaftsministeriums.

Projektwoche: Bio, regional, saisonal oder?

"Bio, regional, sasional oder?" Unter diesem Motto fand die gemeinsame Projektwoche der Technikerschule und Landwirtschaftsschule Kaufbeuren statt. Als Erzeuger und Verbraucher trafen so die Schülerinnen und Schüler zusammen und diskutierten wie mehr Dialog und Verständnis füreinander geschaffen werden kann.

Projektwoche - Technikerschule Externer Link

Arbeitsprojekt für die Meisterprüfung

Derzeit stehen fast alle Absolventen in der Weiterbildung zum Landwirtschaftsmeister. Nachdem bereits viele Prüfungsinhalte im Laufe der Landwirtschaftsschule abgelegt worden waren, ist für den erfolgreichen Abschluss der Meisterprüfung nur noch das sogenannte Arbeitsprojekt fertig zu stellen. Im Rahmen dieses Projekts werden für den Betrieb wichtige Produktionsverfahren im pflanzlichen oder tierischen Bereich verglichen und bewertet. Auch dazu liefert die Landwirtschaftsschule die notwendigen Grundlagen.

Verbraucherdialog: Miteinander statt übereinander reden

Unter diesem Motto standen im März 2020 15 Studierende des dritten Semesters der Landwirtschaftsschule Kaufbeuren in zwei Gruppen der 10a und 10e des Jakob-Brucker-Gymnasiums in Kaufbeuren Rede und Antwort. Ziel war es, den Schülern einen Überblick über die Arbeit der jungen Landwirte auf ihren Betrieben zu vermitteln und den Dialog untereinander zu fördern.

Landwirtschaftschüler im Gymnasium

Junge Landwirte lassen es blühen

Die Studierenden der Landwirtschaftsschule Kaufbeuren setzen auf ihren Betrieben beispielgebende Maßnahmen zur Biodiversität um. Mit der Errichtung eines Bienenstandes auf dem Gelände des AELF Kaufbeuren soll auf die Vielfalt ihrer Aktivitäten hingewiesen werden, die im Austausch mit Verbrauchern und Berufskollegen vorgestellt wurden. Damit wollten die Studierenden dazu motivieren, selbst Maßnahmen für mehr Biodiversität umzusetzen.
Im Dezember 2019 gab es für dieses Engagement Silber für die Studierenden beim Wettbewerb "Erzeugung gestalten, Arten erhalten" des Staatsministeriums.

Kontakt

Staatliche Landwirtschaftsschule Kaufbeuren, Abteilung Landwirtschaft
Schulleiter: Dr. Paul Dosch
Am Grünen Zentrum 3
87600 Kaufbeuren
Tel.: 08341 9002-0
E-Mail: poststelle@aelf-kf.bayern.de

Sachaufwandsträger

Landkreis Ostallgäu
Schwabenstr. 11
87616 Marktoberdorf
Internet: www.landkreis-ostallgaeu.de Externer Link